09.10.2017
Reifen

Aeolus: Neue Reifengeneration mit Technologiesprung

Der chinesische Reifenhersteller Aeolus präsentierte am Lago Maggiore die dritte Generation der Aeolus Lkw-, Bus- und Nutzfahrzeugreifen. Die „Neo“ Serie nützt erstmals Lizenzen der früheren Pirelli-Industriereifensparte.

Wenn das Aeolus Top Management rund 200 ausgewählte Händlerpartner aus aller Herren Länder von Ekaterinenburg bis Brisbane an den Lago Maggiore 100 km nördlich von Mailand einlädt, um die neueste Generation der Aeolus Nutzfahrzeugreifen der Welt zu präsentieren, ist der Veranstaltungsort kein Zufall: Die Region atmet Geschichte, Küche und Keller bieten Feines und der Mailänder Pirelli Tower als Wahrzeichen italienischer Ingenieurleistung ist nicht weit. Denn seit der Übernahme der Pirelli-Industriesparte durch den gemeinsamen Hauptaktionär ChemChina im Jahr 2015 arbeiten Reifenexperten aus China und Kollegen mit Pirelli-Expertise Hand in Hand an einem Entwicklungsprogramm, das Aeolus an die Oberliga der Reifenbauer heranführen soll. Mitte September präsentierten die Aeolus General Manager Giovanni Pomati und Zhang Xiaoxin mit der brandneuen Neo Serie das erste marktreife Ergebnis und versetzten das Fachpublikum im Grand Hotel Dino Baveno ins Staunen: Modernste Technik im Innenleben der Reifen, ein neues Design mit Chic und ein multikulturelles Management-Team, das mit Kompetenz und Humor vom technologischen Quantensprung zu überzeugen wusste.

70 Produkte für fünf Einsatzgebiete

Die dritte Aeolus-Radialreifengeneration wird mit fünf Produktlinien die Bandbreite vom Fern-, Regional- und Kommunalverkehr bis zum Off-Road- und extremen Wintereinsatz abdecken. Die Pneus werden in Dimensionen von 17,5 bis 22,5 Zoll mit 17 verschiedenen Profilen erhältlich sein erklärte Bahadir Özer, Research & Development Director bei Aeolus. Bis Ende nächsten Jahres werde man siebzig neue Reifen mit Varianten für die Lenk-, Antriebs- und Trailerachsen auf den Markt bringen, von denen zwanzig Produkte in Europa bereits lieferbar und weitere fünfzig in der Pipeline der nächsten Monate sind.

Die Namensgebung der fünf Produktlinien, die das „Neo“ Logo tragen, orientiert sich an den typischen Einsatzgebieten, für die sie entwickelt wurden: 

  • „Fuel“ Serie für den Fernverkehr in drei Profilvarianten für geringen Rollwiderstand und ausgeprägte Langlebigkeit mit insgesamt elf Reifen, von denen neun bereits verfügbar sind.
  • „Allroads“ Serie für den lokalen und regionalen Einsatz in sechs Profilvarianten mit Allround-Eigenschaften für wechselnde Fahrbedingungen. Zwei Reifen sind schon lieferbar, weitere 31 folgen demnächst.
  • „Urban“ Serie für innerstädtischen und regionalen Busverkehr mit Fokus auf Sicherheit, Komfort,  geringe Geräuschbelastung und einfache Montage. Drei Urban-Modelle stehen vor der Markteinführung.
  • „Construct“ für den Baustellen- und Off Road-Einsatz und „Winter“ sind Serien, die nach Abschluss der Testphase im Lauf des nächsten Jahres marktreif sein sollen.

 Neupositionierung im Fokus

„Bei der Entwicklung der Neo Serie fokussierten unsere Entwicklungsingenieure auf Laufleistung, Handling, Treibstoffeffizienz, Zuverlässigkeit, Sicherheit und nicht zuletzt auf Wirtschaftlichkeit und Umweltfreundlichkeit, die die spätere Runderneuerbarkeit der Reifen einschließt“, erläuterte General Manager Pomati gegenüber TRAKTUELL die Entwicklungsziele: „Diese Kriterien stehen für Werte, mit denen wir Aeolus neu positionieren und die wir unseren Endkunden als Start in eine neue Ära kommunizieren wollen.“ Die Produktbezeichnung „Neo“ habe man bewusst gewählt, um eine klare Abgrenzung zu den Vorgängergenerationen zu ziehen und Aeolus unter dem neuen Logo sukzessive als den „guten Chinesen“ unter den Fernostmarken und unter den Besten im Tier-2 Segment zu positionieren. Für betont preissensible Teilmärkte werde man die Reifen der zweiten Aeolus Nutzfahrzeugreifen-Generation weiterhin liefern, hielt Pomati fest: „Wir verstehen uns als global agierende Gruppe und passen unser Produktangebot an den jeweiligen Bedarf an.“ Mit der Neo Serie wolle man den Produktionsanteil für Europa von zuletzt neun Prozent vor allem im Tier-2 Segment weiter ausweiten.

Mit zeitgemäßer Technologie und neuem Design für anspruchsvolle Märkte, hier der Neo Winter S
Bild: Fric  

Technologie mit Lizenzvorteilen

Bei der Entwicklung der dritten Aeolus-Produktgeneration nützte Aeolus erstmals Patentlizenzen, die mit der Übernahme der Pirelli-Industriesparte  durch chinesische Investoren vor zwei Jahren erworben wurden.  Auch die Kurzbezeichnungen der Technologiemodule aus dem Hause Pirelli finden sich nunmehr in der Produktinformation über die Neo Serie, stellten wir fest. In enger Zusammenarbeit von chinesischen und italienischen Reifenexperten konstruierte man aber nicht nur eine komplett neue Reifengeneration, sondern musste auch den gesamten Fertigungsprozess von Grund auf neu konzipieren. Eine Herausforderung, der das Entwicklungsteam unter Leitung von Bahadir Özer und dessen kongenialer Stellvertreterin Ye Li, die für die Neo Serie verantwortlich zeichnet, unter anderem mit einem mehrjährigen Investitionsprogramm in Forschung und Entwicklung, Produktionstechnik und konsequente Personalentwicklung begegnet. „Wir befinden uns in einem laufenden Integrations- und Transformationsprozess, um den Technologiewandel konsistent und nachhaltig zu verankern“, erklärte Özer. Nicht weniger erfolgsentscheidend: Die Qualitätssicherung entlang der gesamten Wertschöpfungskette, zu deren Umsetzung Quality Director Paolo Ghirga das bewährte Six Sigma Qualitätskonzept ausrollt. „Die Rohstoffüberwachung ist ein besonders kritischer Punkt gleich am Anfang,“ betonte er, ebenso wie das strukturierte Feed Back von Kundenseite, das in die Forschung und Entwicklung einfließe. Abgesehen von den inneren Werten, die die Neo Serie von der ersten und zweiten Reifengeneration abheben, beweist auch ihr optischer Auftritt italienische Designerhand: Bei der Gestaltung von Seitenwand und Logo wurden die Anregungen aus der Feldforschung berücksichtigt und Akzente mit Premiumcharakter gesetzt – sehr zum Beifall des Premierenpublikums.

Ausbau des Vertriebsnetzes

Der Europa-Vertrieb von Aeolus Nutzfahrzeugreifen stützt sich seit vielen Jahren auf das niederländische Großhandelsunternehmen Heuver, das für acht europäische Länder den Import übernommen hat und auch in Österreich den Reifenhandel beliefert. „Ein bewährter Kooperationspartner mit einer zentralen Rolle für die Neupositionierung von Aeolus in Europa“, unterstrich General Manager Pomati am Rande der Veranstaltung. Da Aeolus zur Zeit über keine eigene europäische Vertriebsniederlassung verfügt, brauche es für andere europäische Märkte noch etwas Geduld: Die geplante Fusion der Aeolus-Nutzfahrzeugsparte mit der Prometeon Tyre Group, die weltweit für die Produktion und kommerzielle Verwertung von Nutzfahrzeugreifen unter der Marke Pirelli zuständig ist und weitere europäische Vertriebswege mitbringen wird, ist in China noch Gegenstand behördlicher Prüfungen.

Inszenierung: In der Mythologie war Aeolus der Gott der Winde und mit Eos, der Göttin der Morgenröte verheiratet
Bild: Fric  

Italienisches Flair

Das sensationelle Berg- und See-Panorama von Balevo, das Weltkulturerbe der Borromäischen Inseln, die Käsemanufaktur Luigi Cuffanti – und Vespa-Fahren: Aeolus bot den Gästen ein Rahmenprogramm, das wahre Highlights von dem Vielen vermittelte, was Oberitalien der Welt zu bieten hat. Auch die Reifentechnologien italienischer Provenienz waren dieser Tage ein Herzstück davon.  rf

 

Technologie-Inkubatoren (v.l.): Quality Director Paolo Ghirga, General Manager 
Giovanni Pomati und R&D Director Bahadir Özer
Bild: Fric

Rudolf Fric