18.09.2017
TRAKTUELL 355 Lkw-Test

Renault Trucks T 440 Sattelzugmaschine im Österreichtest

Common-Rail und GPS-Tempomat als echte Innovationen in der neuen Modellversion des Renault Trucks T 440.

Der neue, geländeangepasste Tempomat „Optivision" und die Überarbeitung des Motors sind die Highlights des neuen Renault Trucks T 440. Das bringt auch Verbesserungen beim Dieselverbrauch: Dieser liegt bei durchschnittlich nur 26,5 Liter.* Dank des großen Hubraums ist auch die Fahrleistung passabel.

 

 

  

Renault Trucks T 440 im Test: Spritverbrauch und Durchschnittsgeschwindigkeit
Bild: WEKA / Fliesser  

Es ist immer eine Freude, wenn man im Test echte Innovationen erleben kann und nicht nur mit einem marginalen Facelift konfrontiert wird. Als erstes ist dabei die Einführung der Common-Rail-Technologie beim DTI 13 Motor zu nennen, die dem Aggregat gegenüber der vorangegangenen Modellversion zu spürbar mehr Laufruhe verhilft. Dies schlägt sich in einem fast vibrationsfreien Fahrerlebnis nieder. Insbesondere zusammen mit der verbesserten Luftfederung ist es Renault dadurch gelungen, den Fahrkomfort deutlich zu erhöhen. Beim Vorjahresmodell musste noch der luftgefederte Sitz viele Schwingungen, die von der Fahrbahn übertragen wurden, dämpfen. Nun werden diese schon weitestgehend vom Fahrwerk selbst absorbiert und dringen gar nicht mehr in die Kabine durch. Auch die Vibrationen am Lenkrad reduzieren sich dadurch nochmals weiter gegen Null. Die gute Isolierung gegen Wind-, Motor- und Abrollgeräusche darf an dieser Stelle noch einmal erwähnt werden. Diese stellt allerdings keine Innovation dar: Die Schallisolierung der Kabine war schon beim Test des Vorgängermodells hervorragend.

 

Neue Spoiler an der Unterseite sollen den Luftstrom unter dem Fahrzeug optimieren

Bild:WEKA / Fliesser  

Die zweite Hauptinnovation ist sicherlich der GPS-Tempomat „Optivision". Dank satellitengestützter Positionsbestimmung und in einer Cloud hinterlegtem Geländeprofil, ist der Renault Trucks T über vorausliegende Steigungen bestens im Bilde. Die Schaltstrategie wird an das Gelände angepasst, der Schub kurz vor Erreichen der Hügelkuppe abgeschaltet und auf diese Weise Sprit gespart. Unnötige Schaltmanöver vor Bergkuppen, die wir noch bei der letzten Modellgeneration ohne GPS-Tempomat bemängelt hatten, gehören damit der Vergangenheit an. Vor einem steilen Anstieg lässt Optivision das Fahrzeug sogar präventiv beschleunigt, um Schwung in die Steigung mitzunehmen. Auf sanften Bergabfahrten wird wiederum Optiroll aktiviert: Das Fahrzeug schaltet dabei in den Freilauf, um Reibungsverluste von Motor und Getriebe zu umgehen. Auch das gelingt nun dank der vorausschauenden und an das Gelände angepassten Temporegelung wesentlich besser. Zu guter Letzt wurde auch noch das Eigengewicht der Sattelzugmaschine um bis zu 114 kg reduziert. Neue Spoiler an der Unterseite der Fahrzeugfront helfen zudem, den Luftwiderstand weiter zu senken und den Luftstrom unter dem Fahrzeugzug zu harmonisieren.

Äußerst praktisch: die Beladungsanzeige (Load Indicator), die das Gewicht und dessen Verteilung auf die einzelnen Achsen anzeigt – in unserem Fall 39 t Gesamtzuggewicht, optimal verteilt

Bild: WEKA / Fliesser  

 Bedienung, Cockpit und Kabine

Nach wie vor ist die Bedienung des Tempomaten am Lenkrad eine der ergonomisch besten Lösungen der Branche. Mittels intuitiv bedienbaren Wählrades an der Unterseite des Lenkrads lässt sich die Geschwindigkeit mit dem Zeigefinger der linken Hand rasch einstellen. Mit dem Daumen wird der Tempomat per Tastendruck aktiviert. Dabei hat der Lenker zu jeder Zeit das Steuer fest im Griff. Überaus praktisch ist dabei die Möglichkeit, zwei gesetzte Geschwindigkeiten zu speichern. Warum die Ingenieure von Renault diese an sich geniale Lösung dann mittels eines Wählrades in der Mittelkonsole verkompliziert haben, welches man benötigt, um zwischen den unterschiedlichen Tempomatmodi (ACC, Tempomat oder Limiter) zu wechseln, ist unklar: Das hätte sich doch eigentlich auch mittels Tasten direkt am Lenkrad oder unmittelbar daneben realisieren lassen müssen. Wer jedoch regelmäßig mit Fahrzeugen von Renault unterwegs ist, der dürfte wohl auch mit dem Wählrad in der Mitte gut zurecht kommen – der Mensch ist schließlich ein Gewohnheitstier.

Nach wie vor eine der intuitivsten und ergonomisch besten Lösungen der Branche: die Steuerung des Tempomaten über das Multifunktionslenkrad …

   

… nur das Wählrad zum Umschalten zwischen ACC, Tempomat und Limiter und dessen Platzierung in der Mittelkonsole unter dem Schalter für die Warnblinkanlage und über dem Dimmer für die Innenraum-beleuchtung erscheint nicht unbedingt logisch. Übrigens setzt auch Renault Trucks auf eine elektrische Parkbremse (Mitte oben)

Bilder: WEKA /Fliesser  

In der Kabine fällt die große Mittelablage positiv auf, ebenso wie die aufgeräumte und nicht mit Bedienelementen überfrachtete Mittelkonsole. Zudem steht erstaunlich viel Stauraum zur Verfügung, denn sowohl über der Windschutzscheibe als auch über dem Bett gibt es große Fächer – und das trotz einer zweiten, klappbaren Liege. Eine gute Idee ist auch die Fernbedienung über der Liege, mit der sich Telefon, Licht, Temperatur, Musikanlage und Fenster bedienen lassen. Und damit nachts keine ungebetenen Besucher im Cockpit auftauchen, gibt es die robuste Innenraumverriegelung „Door Lock".

Trotz der klappbaren oberen Liege ist darüber noch Platz für Staufächer …

 

… ebenso vorne über der Windschutzscheibe

   

Die massive „Door Lock" Innenverriegelung bietet Schutz vor ungebetenen Gästen:

Bilder: WEKA / Fliesser  

 Fazit

Mit nur 440 PS ist der Renault Trucks T für unser Streckenprofil zwar eher schwach, dank des großen Hubraums von 12,8 Liter jedoch ausreichend motorisiert: Eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 80,6 km/h scheint durchwegs akzeptabel. Der vorausschauende Tempomat Optivision sorgt zusätzlich dafür, dass die Motorleistung nun auch im Berg so effizient wie möglich eingesetzt wird und auch das Sparpotenzial der Freilauffunktion (Optiroll) besser genutzt werden kann. Das Ergebnis schlägt sich in einem reduzierten Spritverbrauch nieder, der auf unserer Teststrecke durchschnittlich nur 26,5* Liter beträgt.

  * NEU: Seit heuer werden auch die Temperaturunterschiede im Tank und die Ausdehnung des Treibstoffs bei der Verbrauchsermittlung berücksichtigt. Nach früherer Messmethode (bis Ausgabe 1-2/2017) beträgt der Spritverbrauch des Renault Trucks T 440 nur 25,8l/100 km.

 

Das Cockpit des Testfahrzeugs

   

Unser Renault T 440 Testfahrzeug mit Alcoa Leichtmetallfelgen, Michelin-Reifen und Reifendruckkontrollsystem

   

 

Technische Daten:

Renault Trucks T 440

Kabine:

Sleeper Cab, luftgefederte 4-Punkt-Aufhängung mit Niveauregulierung
 

Vorderachse:

luftgefedert, max. 7,5 t

Antriebsachse:

P13170-D einfach übersetzt, luftgefedert, max. 13 t; Übersetzung i = 2,64

Motor:

DTI 13 6-Zylinder-Reihen-Dieselmotor (12,8 l); 323 kW/440 PS bei 1.404 bis 1.800 U/min; 2.200 Nm bei 900–1.404 U/min; Common-Rail Hochdruck-Direkteinspritzung (2.000 bar), 24 Ventile; Euro 6c Abgasnach-behandlung (Katalysator, DPF, SCR)

Getriebe:

Optidriver-Getriebe AT 2412 F mit automatisierter Kupplung; Übersetzung: 14,94 – 1,00

Reifen:

Michelin 315/70 R 22,5 M. XLine Energy Z/D, Alufelgen Alcoa Dura-Bright, Reifendruck-kontrollsystem (TPMS)

Bremsen:

Elektronische Steuerung der Druckluft-erzeugung durch EACU (Electronic Air Control Unit), belüftete Scheibenbremsen; automatische Parkbremse; Motorbremse Optibrake+ (382 kW bei 2.300 U/min, an die Betriebsbremse gekoppelt); Hydraulischer Voith Retarder (3.250 Nm/450 kW max.)

Gewicht:

7.684 kg

Ludwig Fliesser