14.01.2015
Test – DAF XF 440 FT 4x2 Euro 6

Mit Leichtigkeit auf langer Distanz

DAF bietet einen leichten XF mit 11-Liter-Motor und ansehnlichen 440 PS für besonders verbrauchs- und gewichtssensiblen Transport an. Kann sich diese Kombi auch bei der Höhenmeter-Schlacht unseres Österreichtests Traktuell500 durchsetzen?

Auch wenn sich der DAF XF im Kampf um den Truck of the Year 2014 nur ganz knapp dem Volvo FH geschlagen geben musste, so glänzt er doch mit seinen durchwegs ausgewogenen Eigenschaften. Der XF ist ein fesches Kraftfahrzeug, das mit seinen klaren Linien und dem kräftigen Kühlergrill äußerst präsent auf der Straße steht. Gerade im Vergleich zum Volvo bietet er außerdem reichlich Platz, Firmenlogos oder freundliche Botschaften zu platzieren. Dabei handelt es sich hier „nur“ um das Space Cab. Die hohe Stirn des Super Space Cabs bietet natürlich noch mehr Entfaltungsmöglichkeiten. Das Space Cab verleiht dem XF jedenfalls bereits einen soliden Auftritt und wirkt gerade in Kombination mit dem flachen Dachspoiler sehr dynamisch. Positiv erwähnt sei wieder einmal der simple und doch so praktische Mechanismus der Spoilerverstellung per Kurbel an der Fahrerhausrückseite. Auch beim Einsatz moderner Technologien ist DAF beim XF regelrecht über sich hinausgewachsen und hat bereits LED-Scheinwerfer im Programm, die sich nicht einmal noch im Pkw-Segment durchgesetzt haben.

Durchdacht bis ins Detail

Am Steuer fühlt sich das kleinere XF Fahrerhaus auch richtig luftig an. Lediglich stehend auf dem Mitteltunnel machen sich die 1,73 Meter im Vergleich zu den 2,1 Metern beim Super Space bemerkbar. Das Platzangebot kann sich dennoch sehen lassen. Genügend Stauraum in den Überkopf-Fächern, unterm Bett und in den Außenfächern macht auch eine längere Ausfahrt zum Vergnügen.

Mit dem XF 440 hält DAF einen vollwertigen Fernverkehrs Lkw bereit, der vor allem mit seinem guten Verbrauchsergebnis des kompakten MX 11 punkten kann. Aber auch der Nutzlastvorteil des kleineren Motors wirkt sich positiv auf die Produktivität aus
   

Schlaue Details, wie das große Ablagefach im zentralen Bereich des Armaturenträgers bietet Stromversorgung und rutschfesten Raum für zahlreiche Dinge des täglichen Bedarfs. Von Telefonen, Tablets und Sonnenbrillen findet hier alles seinen Platz – gleichzeitig. Ein weiteres klug gelöstes Detail ist die Kombination aus Flaschenhalterung und Mistkübel, die rechts neben dem Fahrersitz montiert ist und so auch perfekt von der Liege aus erreicht werden kann. Die extra dicke Matratze auf der unteren Liege ist eine Sensation. Kaum jemand liegt zu Hause bequemer.

Ordnung ist eine Tugend

Nehmen wir also Platz auf dem luftgefederten Fahrersitz des XF und lassen den Blick über das aufgeräumte Cockpit schweifen. Wenige, gut ablesbare Instrumente und ein großes Display bilden die zentrale Informationseinheit für den Fahrer. So gut strukturiert und übersichtlich kann ein moderner Lkw sein und bei Bedarf eine Flut an Informationen bereitstellen. Lediglich die Anzeige für den Tempomaten könnte prominenter platziert sein, um im hügeligen Gelände rasch die eingestellte Geschwindigkeit zu erfassen, um effizient unterwegs sein zu können. Tempomat- und Getriebesteuerung befinden sich wiederum logisch angeordnet auf einer Sichtachse rechts am Lenkrad bzw. dahinter.

Besonders aufgräumt präsentiert sich das Cockpit des XF
   

In der gleichen Achse noch etwas weiter hinten direkt am Armaturenbrett befindet sich die Dreh-Drück-Einheit zur Menübedienung. Dies muss man allerdings wissen, denn sehen kann man den Knopf nicht. Außerdem muss man sich selbst mit langen Armen noch nach vorne lehnen, um ihn zu erreichen. Hier wäre eine Bedienmöglichkeit über das Lenkrad die sinnvolle Ergänzung. Auffallend ist vielleicht auch die fehlende linke Armlehne, die noch etwas mehr Komfort während der Fahrt bieten würde, auch wenn die Türe recht nah am Ellbogen sitzt.

Kleiner Hubraum, starke Leistung

Die große Neuheit befindet sich aber unter dem Fahrerhaus. DAF bietet den 10,8 Liter kompakten Paccar MX 11 Reihensechszylinder jetzt auch in einer Fernverkehrsvariante für den XF an. Abgesehen von den Verbrauchsvorteilen, die der kleinere Hubraum mit sich bringt, ist der Motor auch noch um 180 kg leichter als sein großer Bruder MX 13. Dabei muss er sich leistungsmäßig absolut nicht verstecken. Mit 320 kW/435 PS und einem Drehmoment von 2.100 Newtonmetern, das ab 1.000 Umdrehungen parat steht, ist er auch für unsere Jagd auf rund 8.000 Höhenmeter gerüstet. Dank der relativ langen 2,53er Achsübersetzung rollen wir unsere Standardgeschwindigkeit von 85 km/h mit 1.160 U/ min.

Tempomat und AS Tronic Steuerung liegen gut sichtbar und logisch auf einer Lenkrad-Seite angeordnet
   

Etwas Optimierungspotenzial steckt noch in der Abstimmung des Antriebsstrangs. Trotz langer Übersetzung und kompaktem Motor könnte an manchen Bergen ein längeres Halten des 12. Gangs sinnvoll sein, um dann direkt in den 10. zu wechseln und mit maximaler Power durchzuziehen. Aber man kann ja auch einfach in den manuellen Getriebemodus wechseln, dann hat der Fahrer die Entscheidung selbst in der rechten Hand. Dabei ist Downsizing nur eine Disziplin, die dieser XF meistert. DAF bringt außerdem wieder einmal ein Testfahrzeug in die Alpenrepublik, das auch auf einen Retarder verzichtet. Dies spart zusätzlich zum leichteren Motor nochmals Gewicht. Nach der ersten steilen Abfahrt kennt man auch die Grenzen der MX Motorbremse, dann fehlt der Retarder eigentlich nicht mehr. Bei effizienter Fahrweise rollt man ja mittlerweile ohnehin mit Geschwindigkeiten von unter 80 km/h über Bergkuppen. Legt man dann rechtzeitig bei 80 km/h den 10. Gang ein, hält selbst der 11-Liter-Motor mit einer Bremsleistung von 320 kW bei 2.100 U/min Gefälle bis knapp 7 % locker im Zaum. Auf unserer fast 500 Kilometer langen Teststrecke muss lediglich auf der langen Abfahrt vom Gießhübl Richtung Vösendorf beigebremst werden.

Technologieverzicht, Ende in Sicht

Sieht man den fehlenden Retarder allerdings im Kontext eines kompletten Technologiepakets, dann sieht die Geschichte anders aus. Da es aber bei DAF nach wie vor keinen GPS-gesteuerten Tempomaten gibt, der alle Systeme perfekt auf das unmittelbar voraus liegende Terrain abstimmt, ist der Fahrer ohnedies permanent gefordert das Optimum aus dem XF und seinem Gewicht herauszuholen. 2015 sieht es dann anders aus. Auf der IAA in Hannover hat jetzt auch DAF „Predictive Cruise Control“ mit „Predictive Shifting“ präsentiert. Wir freuen uns schon auf die ersten Tests und werden natürlich so bald wie möglich berichten. Immerhin kann man jetzt schon mit Eco-Roll die Ausrollphasen verlängern, um unter Umständen ohne Gas zu geben bis zum nächsten Bergabstück zu gelangen und dann wieder Geschwindigkeit aufzunehmen.

So übersichtlich kann heutzutage eine Armaturentafel sein. Trotz der Informationsflut, die man bei Bedarf abrufen kann, strahlt der DAF permanent Ruhe aus
Bilder: WEKA/fe  

Mit einem Gesamtverbrauch von lediglich 25,41 Litern kann sich der leichtgewichtige Holländer jedenfalls sehen lassen, sichert sich damit sogar einen Stockerlplatz in unserer ewigen Bestenliste und zeigt wieder einmal auf, wie wichtig der Faktor Mensch im effizienten Umgang mit einem Fahrzeug ist. Gerade bei starkem Verkehrsaufkommen, wie bei diesem Test, kann auch in Zukunft der beste GPS-Tempomat nichts ausrichten. Hier wird immer der Fahrer gefragt sein, um die beste Strategie auszuwählen damit sein Lkw-Zug trotzdem mit möglichst viel Schwung in einen Anstieg fahren kann. Aber auch wirklich frühzeitiges Gaswegnehmen vor einer Kuppe kann ein Auflaufen auf den langsam vorausfahrenden Verkehr verhindern, ohne dabei die mögliche Durchschnittsgeschwindigkeit zu beeinflussen – den Verbrauch hingegen aber enorm.

Fazit

Leichter Motor, kein Retarder, kompaktes Fahrerhaus – hier wurde aufs Gewicht geachtet. Der DAF XF 440 mit MX 11 und Space Cab ist die erste Wahl, wenn es um maximale Nutzlast im Fernverkehr geht. Kleine Verbesserungspotenziale sind gegeben, technologisch rüstet DAF in den kommenden Monaten gewaltig nach und spielt dann sicher auch bei unserem anspruchsvollen Alpentest wieder in der vordersten Reihe mit, wenn es darum geht einen neuen Verbrauchsrekord aufzustellen. Die Jagd auf die magische 25-Liter-Marke geht jedenfalls weiter!

Technische Daten

Kabine: DAF Space Cab, luftgefedert
Motor: Paccar MX-11, Euro 6, AGR, SCR, 10.800 cm³, 320 kW/435 PS bei 1.450 – 1.700 U/min, 2.100 Nm bei 1.000 – 1.450 U/min
Getriebe: AS Tronic 12AS2130, 12 Gänge, Übersetzung 15,86 – 1,00; mit integrierter MX Engine Brake (320 kW bei 2.100 U/min)
Achsübersetzung: i = 2,53
Reifen: 315/70 R 22,5 Michelin X-Line Energy auf Alcoa Dura-Bright
Bremsen: Scheibenbremsen rundum; EBS
Gewicht: 7.440 kg