10.08.2016
Lkw im Österreich-Test

Renault Trucks T 520 im Test

Mit dem Renault Trucks T 520 schicken die Franzosen ihre stärkste Zugmaschine bereits zum zweiten Mal auf Österreich-Rundfahrt, diesmal in der Kabinenausführung Maxispace.

 
   

Unser Testtag ist nicht nur durch relativ hohes Verkehrsaufkommen geprägt, es ist gefühlt auch der heißeste Tag im Frühsommer. Als wir kurz nach halb elf losfahren zeigt das Thermometer bereits 33 Grad. Die Klimaanlage in unserem Renault kühlt das jedoch locker weg und so können wir der Hitze auf der Autobahn bei angenehmen 20 Grad in der geräumigen Maxispace Kabine entfliehen – auch wenn die Kühlung möglicherweise den Kraftstoffverbrauch geringfügig erhöht.

Breite Trittstufen erleichtern das Reinigen von Frontscheibe und Außenspiegeln. Und die Franzosen legen offenbar auch Wert auf Stil: Wie schon im Vorjahr kommt der T 520 mit Signalhörnern zum Test
   

Das Maxispace Fahrerhaus von Renault Trucks ist in jedem Fall gelungen. Der hohe Einstieg ermöglicht einen stufenlos durchgängigen Fußboden. Die wesentlichen Bedienelemente sind vom Fahrersitz optimal erreichbar und insbesondere die Bedienung des Tempomaten links am Lenkrad ist intuitiv gelöst. Dabei ist vor allem die einfache Speichermöglichkeit von zwei Geschwindigkeitswerten eine praktische Unterstützung im Fahreralltag.

Der Arbeitsplatz im Renault ist ergonomisch durchdacht: Sämtliche Bedienelemente sind während der Fahrt bequem erreichbar, nur die Mittelablage könnte besser gelöst sein. Die Anordnung der Seitenspiegel, mit dem größeren Spiegel unten, erweist sich
in der Fahrpraxis hingegen als optimal
   

Gut gelöst ist auch die ergonomische Anordnung der Seitenspiegel: Durch die Platzierung der großen Spiegel unten muss der Fahrer den Kopf lediglich zur Seite drehen und nicht nach oben heben. Die unteren Spiegel sind zudem so groß dimensioniert, dass die zwei kleineren Spiegel darüber kaum benötigt werden – wir haben auf unserer über 355 Kilometer langen Fahrt kein einziges Mal von diesen Gebrauch gemacht.

Die Bedienung des Tempomaten links am Lenkrad ist optimal gelöst, der Fahrer
hat dabei auch während er Einstellungen vornimmt das Steuer immer fest im Griff. Auf den Tasten S1 und S2 lassen sich zudem zwei Tempowerte speichern
   

Komfortabler Schlafplatz

Ein Highlight sind die zahlreichen Komforteinrichtungen in unserem Renault. Da wäre beispielsweise der große Kühlschrank, der als ausziehbare Lade unter der Liege untergebracht ist und während der Fahrt auch vom Fahrersitz aus ganz einfach ausgerollt werden kann. Ist der Motor einmal abgestellt und der Arbeitsalltag beendet, hat der Fahrer eine Reihe von Möglichkeiten, es sich in der Maxispace Kabine bequem zu machen. So lässt sich zum Beispiel der Beifahrersitz um 90 Grad drehen und in der Mitte mit einfachen Handgriffen ein Tisch von der Kabinenrückwand abklappen.

Maxispace – der Name ist Programm: Es gibt reichlich Stauraum, statt eines zweiten Betts sind drei großzügige Hängeschränke mit Rollotüren verbaut, auch über der Windschutzscheibe gibt es große Stauboxen. Die Stehhöhe ist mit 205 cm mehr als ausreichend und der Boden des Fahrerhauses ist vollkommen eben
   

Hat der Fahrer seine Mahlzeit beendet, so kann er seine Liege mittels einer Rückenlehne zum Einhängen in eine bequeme Couch verwandeln. Dabei steht es ihm natürlich frei, ob er seine Zeit mit Blick auf den über der Fahrertür befindlichen Fernseher oder lieber mit Lesen verbringt – für Letzteres stehen jedenfalls auch zwei Leselampen zur Verfügung.

Die große Kühlschranklade unter der Liege ist auch während der Fahrt gut erreichbar. Der Fernseher über dem Seitenfenster ist von der Couch-Liege aus gut im Blick
   

Überhaupt hat man im Innenraum viel Wert auf das Ambiente gelegt: So lassen sich beispielsweise verschiedene Lichtarrangements auswählen, die zudem stufenlos dimmbar sind. Auf diese Weise wird der Renault Trucks T abends zum gemütlichen Wohnzimmer. Während der Nachtruhe sorgen zudem die optionale Tür- Innenverriegelung (Door Lock) und ein Tresor sorgen für ein sicheres Gefühl bei der Übernachtung.

Der Beifahrersitz lässt sich um 90 Grad drehen, in der Mitte davor ein großer Tisch abklappen. Verschiedene Lichtambientes sorgen für Wohnzimmeratmosphäre
   

Fahreindrücke

Auffallend gut ist die Maxispace Kabine gegenüber Schall isoliert – Wind-, Abroll- und Motorgeräusche haben kaum eine Chance, bis zum Fahrer vorzudringen. Lediglich die Fahrgeräusche von vorbeifahrenden Pkw dringen durch und zwar so klar, dass die Vermutung nahe liegt, dass diese Frequenzen absichtlich aus Sicherheitsgründen nicht herausgefiltert wurden – so weiß der Fahrer schon aufgrund der akustischen Wahrnehmung, wenn er gerade überholt wird. Vibrationen von Straßenbelag und bei Beschleunigungsvorgängen kommen dezent beim Fahrer an, allerdings nur bei den Beinen und in etwas geringerer Intensität auch am Lenkrad: Den Rumpf des Piloten hält der luftgefederte Sitz mit einem sehr langen Federweg de facto erschütterungsfrei.

Neue Details an der Front: Schwarze Spoiler unten in der Mitte und an der Seite, nur knapp über der Fahrbahn, sollen für eine aerodynamisch vorteilhafte Ablenkung des Luftstroms sorgen – vielleicht als Ausgleich für die Signalhörner auf dem Dach?
   

Auffallend komfortabel während der Fahrt sind auch die herabklappbaren Armlehnen. Schade ist, dass unser Testfahrzeug noch keinen GPS-Tempomaten an Bord hatte. Die Serienproduktion desselben soll aber bereits gestartet sein. Und hier zeigt sich auch, welchen Unterschied die mangelnde Kenntnis des Geländes im Fahrbetrieb ausmacht. Sinnlose Schaltmanöver im Berg, etwa am Ende des steilsten Anstiegs auf der S 6, waren symptomatisch dafür: Kurz vor unserem Geschwindigkeitsmesspunkt bei der Abfahrt Semmering springt der Renault zurück in den 9. Gang, verliert dabei 3–4 km/h, die er allerdings gleich wieder durch Beschleunigung wettmacht, um nur wenige Sekunden später wieder in den 10. Gang hochzuschalten – ein kraftstoffintensives Unterfangen.

Die Liege im Renault lässt sich zu einer gemütlichen Couch mit Rückenlehne umfunktionieren
   

Auch Optiroll (Leerlauf) und Nullförderung werden zwar vom Bordcomputer im Tempomat-Betrieb eingesetzt, könnten aber sicherlich noch effizienter genutzt werden – wenn nämlich der Lkw schon vor der Kuppe das Gas wegnehmen würde und dadurch in den Schubbetrieb ohne Kraftstoffförderung wechselte. Möglich würde dies allerdings erst durch die Kenntnis von GPS-Position und Geländeprofil. Abgesehen davon kann man dem Tempomaten von Renault allerdings keine Schwächen unterstellen. Der Computer justiert die Geschwindigkeit sehr sanft und entsprechend den Vorgaben. Die Bedienbarkeit ist, wie zuvor schon erwähnt, hervorragend.

Für Sicherheit während der Nachtruhe sorgt das optionale Door Lock
Bilder: WEKA/lf  

Fazit

Der Renault Trucks T 520 punktet in dieser Ausführung vor allem mit seiner komfortablen Maxispace Kabine. Auf der Straße erbringt er zudem eine solide Fahrleistung mit einem sehr passablen Verbrauch von unter 27 Litern. Dabei wird wohl auch die Klimaanlage, die aufgrund der subtropischen Außentemperaturen im Dauerbetrieb lief, ein wenig auf den Dieselkonsum durchgeschlagen haben. Zudem gab es einen kurzen Stau vor der Pyhrn-Autobahn, der uns zu einem Total-Stopp während der Testfahrt nötigte. Das größte, noch ungenutzte Potenzial, um die Kraftstoffeffizienz weiter zu steigern, liegt bei Renault aber sicherlich in der Nutzung des GPS-Tempomaten. Produktionsstart dafür war bereits im Juni 2016 – dies war also vermutlich der letzte 520er, der ohne Satellitenunterstützung auf unsere Österreich- Rundfahrt ging.

Verbrauchswerte und Durchschnittsgeschwindigkeit

 
   

Technische Daten

Kabine: Maxispace Kabine, luftgefedert
Motor: DTI 13, 12,8 Liter 6-Zylinder Euro 6 (7th injector, Katalysator, DPF, SCR)
382 kW (520 PS) bei 1.432–1.800 U/min
max. 2550 Nm bei 1.100–1.432 U/min
Getriebe: Optidriver AT 2612E (14.94 - 1)
Automatische Kupplung; 12 + 3 Gänge
Übersetzung von 14,94 bis 1,00
Achsübersetzung: i = 2,64
Reifen: Michelin XFA2 385/55 + 315/70 R22.5
Bremsen: Scheibenbremsen vorne und hinten
Motorbremse Optibrake+ (382 kW bei
2.300 U/min), Voith Hydraulic Retarder
(450 kW/3.250 Nm)
Leergewicht: 8.534 kg

lf