20.03.2017
Die perfekte Testfahrt

Scania S 500 Sattelzugmaschine im Österreich-Test

Der Scania S 500 setzt mit einem Durchschnittsverbrauch von nur 23,84 Litern eine neue Bestmarke und liefert damit eine steile Vorlage für die Testsaison 2017.

Die Bedingungen waren optimal: Sämtliche Baustellen auf der A2 und S6, die noch im Sommer bestanden hatten, waren beseitigt und auch der Verkehr hatte an unserem Testtag offenbar eine Pause eingelegt: Freie Fahrt auf 355 Kilometern. Ohne auch nur die kleinste Verkehrsbehinderung beschleunigen wir das Fahrzeug in Guntramsdorf auf 85 km/h und fahren, abgesehen von der Mittagspause, den ganzen Test wie ein Uhrwerk im gleichen Tempo. Zudem ist es absolut windstill und weitgehend trocken bei konstanten Temperaturen zwischen 6 und 8 Grad.

 

Scania S 500 im Österreich-Test
Bild: WEKA / Fliesser
 

 

Als wir, am Ziel angelangt, einen Blick auf unseren Bordcomputer werfen, zeigt dieser an: 24,75 Liter Durchschnittsverbrauch, allein das schon ein neuer Rekord. Wir überprüfen das Ergebnis an der Zapfsäule und sehen, was wir auch schon bei allen vorangegangenen Tests festgestellt haben: Das Messgerät im Fahrzeug zeigt einen höheren Verbrauch an als die Pumpe dann tatsächlich hergibt. Und so lautet das sensationelle Ergebnis bei der Messung an der Zapfsäule: Wir haben, wie auf unserer Teststrecke üblich, die östlichen Alpen zweimal überquert und kommen dennoch auf einen sensationellen Verbrauchswert von nur 23,84 l/100 km, ein absoluter Rekordwert. Der kleine Bruder des S 500, der R 500 – das baugleiche Fahrzeug nur mit kleinerer Kabine – konnte im Test zuvor bei starkem Regen und leichten Verkehrsbeeinträchtigungen einen Verbrauch von 25,54 Litern erzielen. Dass die neue 500 PS- Maschine ohne Abgasrückführung diesen an sich schon sensationellen Wert unter optimalen Bedingungen noch einmal um fast zwei Liter zu unterbieten vermag, hätten wir uns beim besten Willen nicht erwartet.

 

Die perfekte Testfahrt: Die Maschine läuft mit 85 km/h und GPS-Tempomat im ECO-Mode wie ein Uhrwerk mit knapp unter 1.200 Touren
Bild: WEKA / Fliesser  

 

Verbrauchswerte und Durchschnittsgeschwindigkeit
Bild: WEKA  

 

Die neue Scania Fahrzeuggeneration bietet viele vernetzte Services, sowohl für flexibel angepasste Wartungsintervalle als auch für das Flottenmanagement
Bild: WEKA / Fliesser
 

 

Fahrverhalten

Die Fahreigenschaften des Scania 500 haben wir bereits im letzten Test ausführlich beschrieben, daran hat sich auch mit dem S-Fahrerhaus nichts geändert. Motor und Getriebe sind dasselbe und an beidem gibt es nicht das Geringste auszusetzen. Der einzige Kritikpunkt beim R-Fahrerhaus war die harte Einfederung bei starken Querrillen. Damit kommt die Dämpfung des S-Fahrerhauses zwar besser zurecht als beim kleinen Bruder, aber hier gäbe es vielleicht noch etwas Luft nach oben. Prinzipiell ist das aber Jammern auf höchstem Niveau – das Fahrzeug gehört definitiv zur Crème de la Crème des Nutzfahrzeugbaus.

Innenraum

Der Fahrer muss mit insgesamt vier Stufen eine mehr erklimmen als im R-Fahrerhaus, wird dafür aber mit einer höheren Sitzposition, einem ebenen Kabinenboden und einer durchgängigen Stehhöhe von 207 cm belohnt.

 

Der Fahrerarbeitsplatz – die S-Kabine kommt ohne Motortunnel aus
Bild: WEKA / Fliesser  

 

Auch im unteren Bett ist in der Stockbettausführung mit 75 cm Abstand zur oberen Liege etwas mehr Freiheit nach oben hin gegeben. Optional können statt der oberen Liege aber auch drei geräumige Staufächer im S 500 verbaut werden. Abgesehen davon gibt es keine nennenswerten Unterschiede zum R-Fahrerhaus.

 

Statt der oberen Liege kann man das S-Fahrerhaus auch mit drei zusätzlichen Staufächern bestellen
Bild: WEKA / Fliesser  

 

Gut zu erreichen für Fahrer und Beifahrer: zwei ausziehbare Kühlschränke in der Mitte
Bild: WEKA / Fliesser  

 

Über dem Seitenfenster befindet sich der neue Seitenairbag, der den Fahrer beim Umkippen und Überrollen schützt. Oberhalb der Windschutzscheibe bieten drei großzügige Fächer reichlich Stauraum.

 

Der Beifahrersitz ist um 90 Grad drehbar
Bild: WEKA / Fliesser  

 

Beim hohen S-Fahrerhaus wird ein Wischgerät mit Stiel mitgeliefert, da man den oberen Teil der Windschutzscheibe sonst nicht erreicht. Eine zweite Stufe hätte das Problem eleganter gelöst
Bild: WEKA / Fliesser
 

 

Fazit

Das Ergebnis spricht für sich: Eine extrem sparsame und dennoch angenehm zu fahrende Maschine, die für effizienten Fernverkehr optimal motorisiert ist und auch auf bergigen Autobahnstrecken Freude macht. Mit 81,9 km/h Durchschnittsgeschwindigkeit und satten 80 km/h über den Wechsel zeigt der Scania S 500, dass er nicht nur Spritsparmeister, sondern auch ein äußerst effektives Zuggerät ist. Dass der neue 500 PS-Motor trotz fehlender Abgasrückführung allein mit der wartungsfreundlichen SCR-Technologie auskommt und dabei im Optimalfall nur knapp zwei Liter Adblue konsumiert, ist ebenso bemerkenswert.

Für die kommenden Streckentests hat der S 500 in Sachen Verbrauch jedenfalls eine neue Bestmarke aufgestellt – wir sind gespannt, wer diese zuerst knackt.

Technische Daten

Scania S 500 A4x2NB
Kabine: Neue Scania S-Serie, ebener Boden, Air-Comfort Luftfederung
Achsen: luftgefedert (vorne: Air/Low, hinten: 4-Balg-Luftfederung)
Motor: Scania DC13 155 (12,7 l), 6 Zylinder-Reihenmotor; 368 kW/500 PS bei 1.900 U/min; 2.550 Nm bei 1.000–1.300 U/min; Euro 6-Abgasnachbehandlung SCR-only
Getriebe: Scania GRS905R mit integrierter Vorgelegewellenbremse, Opticruise ohne Kupplungspedal, Übersetzung: 16,41 – 1,00
Achsübersetzung: i = 2,59
Reifen: Michelin 315/70 R 22.5
Bremsen: Scheibenbremsen; Motorbremse (256 kW bei 2.400 U/min) und Scania Retarder (4.100 Nm/500 kW)
Leergewicht: 7.592 kg (7.750 kg vollgetankt)

www.scania.at