21.07.2016
Der fliegende Holländer

Test: DAF XF 510

DAF eröffnete mit dem XF 510 unsere neue Testrunde TRAKTUELL355. Der Holländer glänzt dabei mit Laufruhe und hohem Fahrkomfort. Auch der Verbrauch von nur 26,33 Litern kann sich angesichts des Streckenprofils sehen lassen.

Nachdem der DAF XF 440 letztes Jahr in den Bergen nicht wirklich überzeugen konnte, schicken die Holländer diesmal mit dem 510er ein deutlich stärkeres Fahrzeug auf Österreich-Tournee. Und man kann eindeutig sagen, dass dieses Plus an Power und Hubraum dem Niederländer sehr gut bekommt: Auf der gesamten Fahrt kommt der Motor kein bisschen ins Schwitzen, selbst als wir am langen Anstieg zum Semmering wegen eines extrem langsamen Fahrzeugs massiv abbremsen und folglich auf jeglichen Schwung in der Bergwertung verzichten müssen. Aus diesem Grund ist auch die Geschwindigkeit von nur 50 km/h an der Abfahrt Semmering mit Vorsicht zu genießen – hier wäre ohne das vorherige Bremsmanöver wohl noch Luft nach oben gewesen. Flüssiger, weil ohne Behinderung, lief es zurück nach Norden über den Wechsel: Die Abfahrt Schäffern passieren wir mühelos mit 74 km/h im 12. Gang.

DAF schickt mit dem XF 510 das erste Fahrzeug in die neue TRAKTUELL Österreich-Testrunde
   

Dauerläufer

Der DAF-Pilot fühlt sich auf der Autobahn zu Hause wie kaum ein anderer Fahrer. Das Fahrzeug liegt sehr stabil und schwebt komfortabel über die Autobahn. Der DAF lässt sich weder von Bodenunebenheiten, Querrillen, Belagsveränderungen (Belagskanten bei Baustellen) oder Dehnungsfugen bei Brücken aus der Ruhe bringen. Das Fahrerhaus beginnt bei Unebenheiten auch nicht zu schaukeln. Die Sitzqualität und Sitzdämpfung in den luftgefederten und vielfach verstellbaren Sitzen ist überragend. Dabei arbeitet das Aggregat des DAF ausgesprochen sanft und leise.

Das geräumige Super Space Cab bietet einen optimalen Arbeitsplatz. Praktisch ist insbesondere die große, ebene Ablage mittig über dem Armaturenbrett. Die Innenraumhöhe ist mit über 210 cm enorm
   

Die lange Hinterachsübersetzung von 2,53 trägt das Ihre dazu bei, indem sie den Motor auch bei 85 km/h auf nur 1.150 Touren hält. Abrollgeräusche sind so gut wie gar nicht zu hören, lediglich Windgeräusche dringen von oben links zum Fahrer durch. Es sind keinerlei Vibrationen spürbar – weder vom Motor her noch vom Straßenbelag – Kurzum: DAF zeigt mit dem XF 510, warum die Holländer als Spezialisten für den Fernverkehr gelten.

Viel Platz

Auch wenn das DAF Fahrerhaus inzwischen schon etwas in die Jahre gekommen ist, so punktet das Super Space Cab nach wie vor mit seinem extrem großzügigen Platzangebot. Über der Windschutzscheibe bieten drei große Boxen massig Stauraum. Eine große Ablage mit Anti-Rutschbeschichtung findet sich mittig über dem Armaturenbrett und bietet Platz für alles Mögliche, von den Ladepapieren bis hin zu Zeitschriften, Smartphone oder Tablet.

Volltanken vor und nach der Fahrt zur Ermittlung des Durchschnittsverbrauchs: Auf 100 km benötigt der XF 510 im Test 26,33 l Diesel und 1,37 l AdBlue

   

GPS-Tempomat

Der GPS-gesteuerte Tempomat arbeitet vorzüglich, über weite Strecken sogar auch im Tunnel. Vor den Bergkuppen nimmt der Tempomat das Gas weg, sodass der Lkw bis zu den von uns zugelassenen –7 km/h unter die gesetzte Geschwindigkeit ausrollt, ehe er bergab wieder Fahrt aufnimmt. Auch Eco- Roll und Null-Förderung werden vom System gekonnt in Szene gesetzt, ohne dass der Fahrer dies zu spüren bekommt. Hier scheint den DAF Ingenieuren eine klare Verbesserung gelungen zu sein, denn die Funktionsweise des Eco-Roll war im letztjährigen Test des 440ers noch stark bemängelt worden.

Neu ist die Heckleuchten-Einheit in LED-Ausführung. DAF war übrigens auch der erste Hersteller, der vorne neben einem LED-Tagfahr- auch ein LED-Abblendlicht angeboten hat. Vorteil: tageslichtähnliche Lichtfarbe und kein Lampenwechseln mehr, denn die LED hält ein Lkw-Leben lang
   

Die Einstellung des Tempomat besteht im Wesentlichen aus drei Parametern: Der eingestellten Marschgeschwindigkeit, der Bergabfahrgeschwindigkeit und dem erlaubten Unterschwinger (Temporücknahme im Berg). Letzterer wird mittels dreier Eco-Levels eingestellt, die dem Computer eine Unterschreitung der gesetzten Marschgeschwindigkeit von –4, –7 bzw. –10 km/h erlauben. Etwas mühsam ist dabei, dass der DAF bei jedem Startvorgang in die Standardeinstellung von –10 km/h zurückfällt. Wir gehen es nicht ganz so langsam an und wählen beim Test einen Unterschwinger von –7 km/h.

Unsere Einstellung des GPS-Tempomaten: 85 km/h Marschgeschwindigkeit mit –7 km/h Unterschwinger im Berg und 90 km/h Bergabfahrgeschwindigkeit
   

Eine leichte Verbesserung der Bedienbarkeit wäre auch wünschenswert, um die Geschwindigkeit bei Bremsautomatik (maximaler Bergabfahrgeschwindigkeit) und Tempomat rascher verändern zu können: Die feine Abstufung in 0,5-km/h-Schritte, die mittels Drucktasten hinauf- oder hinuntergeregelt werden müssen, machen ein rasches Adaptieren der Geschwindigkeit in der Praxis unmöglich. Wer das weiß, steigt einfach kurz auf die Bremse oder das Gaspedal und speichert anschließend die Marschgeschwindigkeit neu ab – das ließe sich technisch aber sicher auch einfacher und ohne diesen „Work-Around“ in der Fahrzeugbedienung lösen.

Auch für eine angenehme Nachtruhe ist dank kleiner Details wie der praktischen Leselampe oder dem optionalen Night Lock gesorgt
Bilder: WEKA/lf  
   

Fazit

Der DAF XF 510 ist ein absolut solides Fahrzeug mit der klaren Ausrichtung „Fernverkehr“. Die Holländer sind zwar vor allem in der Ebene unterwegs, der DAF XF 510 fühlt sich aber auch in den Bergen zu Hause. Die Anstiege über Semmering und Wechsel packt der 510er mühelos, Letztere sogar im 12. Gang. Der GPS-Tempomat arbeitet vorzüglich und die lange Übersetzung sorgt für größtmögliche Laufruhe. Das Fahrwerk und das gut gefederte Fahrerhaus sorgen dabei für bestmöglichen Komfort. Sehr sparsam ist der Niederländer im Gleitflug unterwegs: Auf der langen Rollstrecke von Etappe 5 konnte der DAF diese Stärke voll ausspielen. Gerade einmal 12,59 l/100 km verbrauchte der XF auf dem Weg nach Norden zwischen dem Knoten Seebenstein und Guntramsdorf.

Technische Daten

DAF XF FT 510 mit PCC

Kabine: Super Space Cab, luftgefedert
Motor: MX-13, (12,9 l) Euro 6 EGR/SCR
375 kW/510 PS bei 1.425–1.750 U/min
2.500 Nm bei 1.000–1.425 U/min
Getriebe: ZF AS-Tronic 12AS2540, 12 Gänge
Übersetzung: 15,86 – 1,00
Achsübersetzung: i = 2,53
Reifen: Goodyear 315/70R22.5 vo. u. hinten
Bremsen: Scheibenbremsen vorne und hinten;
MX Engine Brake und ZF Intarder (500 kW)
Leergewicht: 7.665 kg

Verbrauchswerte und Durchschnittsgeschwindigkeit

  km Verbrauch in l/100 km km/h
Etappe 1: Raststation Guntramsdorf – Knoten Seebenstein  42,0 km 32,17 81,1
Etappe 2: Knoten Seebenstein – Bruck a.d. Mur 79,3 km 33,01 79,1
Etappe 3: Bruck a.d. Mur – Raststation Arnwiesen 93,2 km 21,44 79,7
Etappe 4: Raststation Arnwiesen – Abfahrt Seebenstein 97,1 km 29,51 82,7
Etappe 5: Abfahrt Seebenstein – Raststation Guntramsdorf 45,5 km 12,59 78,7
Gesamte Strecke: 357, 1 km 26,33 80,4
Geschwindigkeitsmesspunkt 1 (S6 – Abfahrt Semmering): 50 km/h*
Geschwindigkeitsmesspunkt 2 (A2 – Abfahrt Schäffern): 74 km/h im 12.Gang
     
AdBlue: Hinzu kommt ein AdBlue Verbrauch von 1,37 l/100 km      
Wetter: ideale Testbedingungen, trocken, kaum Wind      
Temperatur: Start: 19° C, Mittag: 27° C, Ende: 24,5° C      
Verkehr: * Behinderung am Anstieg über den Semmering, sonst wenig Verkehr, einige Baustellen an der A2      

lf