05.08.2015
Starker „Truck of the Year“

Test: Renault Trucks T 520

Im vergangenen Jahr konnte sich Renault Trucks mit dem T 460 bei unserem Österreichtest an die Spitze der ewigen Bestenliste katapultieren. Diesmal haben wir mit dem T 520 den stärksten französischen Vertreter für gepflegten Fernverkehr auf unsere Runde gebeten.

Nach dem Erfolg des stärksten DTI 11, der sich mit knapp über 25 Liter Diesel auf unserer Runde ausgezeichnet geschlagen hat, sind die Erwartungen an den stärksten Renault Trucks T recht hoch. Aus seinen 12,8 Litern Hubraum schöpft das Flaggschiff der französischen Fernverkehrsbaureihe satte 382 kW/520 PS und schiebt mit 2.550 Nm Drehmoment bei 1.150 Umdrehungen sehr ordentlich an.

Über Design lässt sich wunderbar diskutieren. Mächtig Eindruck schindet das hoch aufragende High Sleeper Cab auf jeden Fall
   

Damit aber noch nicht genug. Bei knapp über 900 Umdrehungen knackt der DTI 13 bereits die 2.000 Nm Marke. Damit sind bei kleineren Anstiegen sehr niedrige Drehzahlen im 12. Gang kein Problem. Einfach Gang sperren und den Lkw über die Kuppe ziehen lassen.

Tugendhaft

Damit sind wir bereits bei der großen Tugend des Renault Trucks T mit High Sleeper Cab angekommen. Es ist diese völlig unaufgeregte Entspanntheit, die der Franzose an den Tag legt. Mühelos gestaltet sich der Aufstieg über vier Trittstufen, die es nur beim High Sleeper gibt. Platz nimmt man im ausgezeichneten Recaro Gestühl immer wieder gerne, fühlt sich sofort wohl und gut aufgehoben. Das Lenkrad, über dessen Design sich sicher streiten lässt, liegt ausgezeichnet in der Hand und die viel diskutierten Bedienelemente auf der Unterseite des Pralltopfs sind exzellent zu erreichen. Auch wenn sie nicht im Sichtfeld liegen, funktioniert die Bedienung bereits nach Sekunden wie im Schlaf. Elegant und simpel gelöst ist auch die Auswahl der Betriebsmodi des Tempomaten mittels markant klickenden Drehrades.

Designobjekt Scheinwerfer. Der seitliche Flügel ist aerodynamisch sinnvoll und leitet den Luftstrom auch noch so intelligent um das Fahrzeug, dass die Türen sauber bleiben
   

Die wahre Entspannung tritt während der Fahrt ein. Die Ingenieure in Lyon haben es geschafft, dem Renault Trucks T eine absolut stoische Laufruhe mitzugeben. Längs- und Querrillen lassen ihn völlig kalt. Der T hält einfach die vorgegebene Richtung. Perfekt abgestimmt ist dazu auch die Fahrerhausfederung und -Dämpfung. Sehr komfortabel rollt man über die heimischen Autobahnen, ohne lästiges Rollen des Fahrerhauses um die Längs- oder Querachse. Ein Lkw muss sich eben wie ein ebensolcher anfühlen und nicht wie eine Segelyacht bei Wellengang. Hier können sich andere Hersteller noch einiges abschauen.

Hochwertiges Interieur

Bei Flaggschiff hat die Testabteilung von Renault Trucks nicht gespart. So kommt unser Testfahrzeug natürlich mit Lederpolsterung auf beheiz- und belüftbaren Sitzen. Beide sind selbstverständlich luftgefedert. Cleveres Detail ist die ganz einfache Ruheliege, die an der Vorhangstange montiert wird und somit herrliche Entspannung beim Lesen oder Fernsehen bietet.

Der Arbeitsplatz im Renault Trucks T ist zwar nicht der aufregendste, dafür einer der am besten organisierten
   

Auch nicht selbstverständlich ist die massive Aluleiter, die den Aufstieg zur oberen Liege erleichtert. Nachdem Fernverkehrs-Lkw normalerweise nur einfach besetzt sind, hat der Renault Trucks T eine geteilt klappbare obere Liege. Das obere Bett verwandelt sich so mit zwei Handgriffen zu einem riesigen Staufach für die Dinge des täglichen Bedarfs. Die Dachluke ist natürlich ein elektrisch zu öffnendes Schiebedach. Ebenfalls sehr simpel in der Bedienung ist ein weiteres Drehrad, das die unterschiedlichen Lichtstimmungen in der Kabine arrangiert.

Transporteffizienz

In den vergangenen Jahren hat sich ein Trend auf unserer Österreichteststrecke Traktuell500 eindeutig abgezeichnet. Zu wenig Leistung geht in der Alpenrepublik nicht nur zu Lasten der Durchschnittsgeschwindigkeit, sondern wirkt sich tendenziell auch negativ auf den Verbrauch aus. Das Optimum liegt demnach zwischen 450 und 500 PS. Damit kommen wir wieder direkt zurück zu unserem Probanden. Der T 520 liegt zwar am äußersten Rand dieses Erfahrungswertes, kann sich mit einem Gesamtverbrauch von 25,48 Litern Diesel aber wirklich sehen lassen.

Ein simples Highlight ist die Relax-Liege, die ganz einfach an der Vorhangstange montiert werden kann
   

Unsere Verbrauchstabelle zeigt eindeutig die Stärken des Renault. Die härtesten Etappen auf der Wiener Außenringautobahn und die Bergwertung über den Semmering liegen dem kräftigen Motor. Durchschnittsverbräuche von unter 30 Litern auf der A21 gehören schon zur rühmlichen Ausnahme. Ist das Ganze dann auch noch mit hoher Geschwindigkeit gepaart, zeugt dies von enormer Effizienz.

Dank der individuellen Schalterbelegung ist das Armaturenbrett äußerst variabel zu gestalten
   

Etwas verwunderlich hingegen ist, dass wir die langsamste Stelle der gesamten Runde am Semmering mit 44 km/h im 9. Gang bei 1.200 Umdrehungen passiert haben. Der T 460 war vergangenes Jahr lediglich 1 km/h langsamer.

Fragwürdige Details

Auf die Geschwindigkeit am Semmering werden sie zwar keinen Einfluss genommen haben, aber dennoch etwas erstaunlich sind die beiden Druckluft Hörner am Dach unseres Testwagens. Auch wenn sie natürlich sehr fein aussehen auf unseren Fotos, so hatten sie mit Sicherheit Einfluss auf das Verbrauchsergebnis.

Mit Hörnern zum Verbrauchstest. Ist zwar nicht wirklich sinnvoll, aber auf den Fotos schauts gut aus
   

Gerade die Rolletappen von St. Michael zum Knoten Voralpenkreuz und vor allem jene lange Schlussetappe auf der Westautobahn zurück nach Steinhäusl haben wir schon deutlich sparsamer erlebt. Allerdings immer nur in Kombination mit GPS-gesteuerten Tempomaten. Auch hier wundert man sich nur, wieso der Konzern stur bleibt und dieses Feature nur der Premiummarke Volvo vergönnt. Selbst die „vorsichtigsten“ unter den Herstellern haben die Notwendigkeit erkannt.

Konzentriert auf das Wesentliche

Renault Trucks hat sich zur Erreichung der Euro 6 Norm bei den großen Motoren an das Motto „Keep it simple“ gehalten. Der 13 Liter Motor kommt mit einer Pumpe-Düse Einspritzung aus und es wird auf eine gekühlte Abgasrückführung verzichtet. Lediglich in den Warmlaufphasen setzen die Franzosen auf heiße Abgase, die in den Ansaugkrümmer geblasen werden, um möglichst rasch die Motortemperatur zu erhöhen.

Die elektrische Parkbremse entwickelt zum Branchenstandard
Bilder: WEKA/fe  

Starke Verzögerung

Nicht nur der 13-Liter-Motor des Renault Trucks Flaggschiffs ist besonders leistungsfähig. Auch seine Motorbremse Optibrake+ kann sich mit einer Leistung von 382 kW in gleichem Maße zum Dienst. In unserem Fall werden wir auch noch mit einem Voith Retarder verwöhnt, der zusätzlich 450 kW und 3.250 Nm Bremsmoment mitbringt. Damit wäüren wir wieder bei der großen Tugend des T – seiner Gelassenheit.

Fazit

Im Jahr in dem der Renault Trucks T „International Truck of the Year“ ist, bewegen wir das Topmodell der Baureihe über unsere Teststrecke Traktuell500. Die Kombination aus hoher Durchschnittsgeschwindigkeit und absolut moderatem Verbrauch von nicht einmal 25,5 Litern machen ihn zu einem wirklich effizienten Mitarbeiter im Langstreckeneinsatz. Hinzu kommt noch der sensationelle Komfort an Bord und seine exzellente Fahrdynamik, die das Paket abrunden. Lassen wir das nächste Mal die verchromten Hörner am Dach weg und gönnen ihm einen GPS Tempomaten und der große Renault ist Anwärter für den nächsten Verbrauchsrekord auf unsrer Strecke. Wir freuen uns jetzt schon auf die entspannten Stunden hinter dem Volant mit dem Renault Rhombus.

Verbrauchswerte und Geschwindigkeiten

Etappe km Verbrauch km/h
Etappe 1 Raststation Steinhäusl (A1) – Knoten Vösendorf: 42 29,99 84,09
Etappe 2 53 26,55 83,76
Etappe 3 104 31,28 79,07
Etappe 4 133 23,58 83,74
Etappe 5 Knoten Voralpenkreuz – Raststation Steinhäusl: 165 23,41 84,78
Gesamt 497 25,48 83,63
Bergwertung: 24 63,63   75,92
AdBlue: Hinzu kommt ein AdBlue Verbrauch von 2,14 l/100 km      
Wetter: perfekte Testbedingungen; relativ warm; kaum Wind      
Temperatur: Start: 15° C, Mittag: 24° C, Ende: 27° C      
Verkehr: lediglich zwei Behinderungen durch Baustellen, wenig Verkehr      

Renault Trucks T 520 4x2 Euro 6 - Technische Daten

Kabine: High Sleeper Cab
Motor: DTI13, Euro 6, AGR, SCR, 12.800 cm³, 382 kW/520 PS bei 1.450-1.900 U/min, 2.550 Nm ab 1.050 U/min Optibrake+ mit 382 kW bei 2.300 U/min
Getriebe: Optidriver AT 2612E, 12+3 Gänge, Übersetzung 14,94 – 1,00
Achsübersetzung: i = 2,64
Reifen: 315/70 R 22,5 Michelin X-Line Energy
Bremsen: Scheibenbremsen rundum mit EBS und ESP, elektrische Parkbremse, Voith Retarder mit 450 kW und 3.250 Nm
Gewicht: 7.764 kg

fe