09.09.2015
Saubere Leistung!

Volvo FH16 750 im Test

Die Vorfreude ist immer besonders groß, wenn eine Testrunde mit dem stärksten Lkw Europas auf dem Plan steht. Nach wie vor sticht der Volvo Trucks FH16 750 beim Lkw Quartett alle anderen Konkurrenten locker aus. Dabei war er noch nie so sauber unterwegs.

Sauber ist aber in erster Linie die pure Kraft, mit der dieser Volvo FH bereits auf dem Papier überzeugt. 470 kW / 750 PS sind nach wie vor das höchste der Gefühle, wenn es um pure Motorleistung europäischer Nutzfahrzeuge geht. Zumindest serienmäßig. Noch beeindruckender ist aber das satte Drehmoment von 3.550 Nm, das der 16 Liter Reihensechszylinder bereits ab 950 Umdrehungen voll zur Verfügung stellt und bis 1.400 U/min nicht mehr abreißen lässt.

Der große Auftritt ist einem in der Mittagspause mit dem stärksten Lkw sicher
   

Volles Technikpaket

Der 16,1 Liter Motor ist nicht nur der stärkste sondern auch der voluminöseste Reihensechszylinder auf dem Markt. Ein toller Motor der dank seiner zwei Turbos mit einem extrem breiten Drehmomentplateau aufwarten kann. Damit das Kraftpaket auch den strengen Abgasgesetzen gerecht wird, fahren die Volvo Ingenieure mit dem kompletten Technik Paket auf. Eine gekühlte Abgasrückführung und die entsprechend aufwendige Abgasnachbehandlung sind Standard in dieser Leistungsklasse. Ein neuer zweistufiger Turbolader unterstützt den AGR Regelkreis und sorgt zudem für die hohen Leistungswerte. Der Motor verfügt außerdem über eine Voreinspritzung. Dabei wird vor der eigentlichen Kraftstoffeinspritzung eine kleine Kraftstoffmenge in den Zylinder eingespritzt und damit ein einheitlicher Druckaufbau und ein ruhigerer Motorlauf erreicht. Anders als bei den kleineren Motoren setzt Volvo beim FH16 auf eine Common-Rail-Einspritzung.

Der Kontrast zwischen schwarzem Lack und verchromtem Kühlergrill unterstreicht den technischen Charme des Globetrotter Fahrerhauses
   

Feinheiten im Detail

In der Theorie klingt ja immer alles wunderbar. Aber wie fährt er sich? Genau hier liegt die wahre Stärke des FH16 750. Der großvolumige Motor legt im Stand einen wohligen Klangteppich unter den Fahrerhausboden, der einen von Innen heraus wärmt. Niemals ist er – zumindest im Serientrimm – aufdringlich oder gar laut. Wenn man sich in Bewegung setzt spürt man sofort diese unbändige Kraft, die in ihm steckt. Kaum hat das perfekt abgestimmte i-Shift Getriebe eingekuppelt steht praktisch das volle Drehmoment zur Verfügung. Wenige Antriebsstränge überspringen beim Anfahren gleich mehrere Gänge, wenn sie erkennen, dass das Fahrzeug voll ausgeladen ist.

Xenon Scheinwerfer und LED Tagfahrlicht sind ein muss bei diesem Truck
   

Unschlagbar am Berg

Wir starten unseren Test ja gleich mit einem gewaltigen Anstieg von der Raststation Steinhäusl die A1 hinauf zur A21. Noch bevor wir die Abzweigung erreichen zeigt die Tachonadel die Marschgeschwindigkeit von 85 km/h an. Dies schaffen nur ganz wenige Trucks. Den Gießhübel packen wir mit 73 km/h, den härtesten Part am Semmering nehmen wir immerhin noch mit 63 km/h. Das sind exakt 20 km/h mehr als mit seinem kleinen Bruder FH500 mit Doppelkupplung, den wir in Ausgabe 6/2015 im Traktuell500 Test hatten.

Extrem ordentlich sind die Armaturen des FH, leider spiegelt die Abdeckung
   

Sparsame Auslegung

Die Leistung des FH16 lässt sich mit einer längeren Achsübersetzung auf der Autobahn auch noch sehr verbrauchsgünstig auslegen. Die lange 0.78er Übersetzung des 12. Gangs in Kombination mit der 3,08er Achse sorgt für extrem niedrige Drehzahlen von knapp über 1.000 Umdrehungen bei 85 km/h. Damit hält sich der Verbrauch auch auf den weniger anspruchsvollen Etappen in wirklich vernünftigen Grenzen. 26,5 Liter auf der Schlussetappe von Linz nach Wien sind für den stärksten Lkw Europas absolut vernünftig. Das eindrucksvolle Detail am Rande ist, dass der 750er auf den 165 Kilometern Westautobahn nur ein einziges Mal am Strengberg in den 11. Gang zurückschalten musste.

Geschmacksfrage. Der I-Shift Hebel kann gegen Drucktaster im Armaturenbrett getauscht werden, um mehr Bewegungsfreiheit im Fahrerhaus zu bekommen
   

Kraftvolle Verzögerung

Beschleunigung ist nur die halbe Miete. Um möglichst Verschleißarm unterwegs zu sein ist natürlich auch eine entsprechende Motorbremse wesentlich. Auch die Leistung der Volvo Motorbremse VEB+ wurde deutlich erhöht. Die maximale Bremsleistung liegt nun bei  470 kW / 640 PS bei 2.200 Umdrehungen. Das sind knapp 100 kW mehr als bei den 13 Liter Motoren. Dank des Weitblicks von i-See, erkennt er nicht nur Steigungen und Kuppen sondern auch Gefälle und kann entsprechend früh zurückschalten um den passenden Gang einzulegen. Zumindest im Betrieb mit 40 Tonnen vermisst  man somit den Retarder eigentlich nicht.

Immer wieder erwähnt werden müssen die filigranen Außenspiegel von Volvo, die kaum Sicht nach vorne nehmen. Perfekt gelöst
   

Sportliches Ambiente

Aber nicht nur der Motor beeindruckt im FH16. Die Ausstattung unseres Testfahrzeugs lässt keine Wünsche offen. Lederausstattung ist selbstverständlich, gekühlte Sitze in einem Jahrhundertsommer wie diesem, eine absolute Wohltat und die gelben Kontrastelemente versprühen ein wenig Motorsportfeeling. Speziell die gelbe Naht am feschen Volvo Lenkrad macht sich hervorragend. Die Funktionalität ist natürlich die gleiche wie bei allen anderen Globetrotter XL Fahrerhäusern.
Die magische Wirkung des FH16 750 konnten wir jedenfalls bei unserem planmäßigen Mittagsstopp an der idyllischen Pyhrn-Priel Nationalpark Raststation St. Pankraz feststellen. Kaum sind wir auf den Parkplatz gebogen, zieht der mächtige Kühlergrill neidische Blicke der umliegenden Lkw-Fahrer auf sich und noch bevor wir in der Raststation verschwunden sind, ist der FH16 von Bewunderern umringt. Mehr gibt’s dazu eigentlich nicht zu sagen, außer, dass es vielleicht noch einen einzigen Truck in Europa gibt, dem es ähnlich ergeht. Der Kontrast zwischen seiner schwarzen Lackierung und den zahlreichen Chrom-Elementen setzt diese natürlich perfekt in Szene.

Motorsportfeeling versprüht die gelbe Kontrastfarbe im Innenraum. Die Ledersitze gehören zu den komfortabelsten im Wettbewerbsumfeld
   

Fazit

Unser Test mit dem EH16 750 hat wieder einmal gezeigt, dass Hubraum durch nichts zu ersetzen ist. Zumindest, wenn man im Alltag richtig viel Leistung benötigt. So unbeschreiblich es ist, 40 Tonnen mit 750 PS und 3.550 Nm zu bewegen, so fair muss man allerdings auch sein, wenn es um die Wirtschaftlichkeit geht. 28,18 Liter Diesel pro 100 Kilometer im Schnitt sind bei weitem kein Highlight auf unserer Strecke – der Rekord liegt ja bei 24,34 Litern. Hier gilt es also der großen Verlockung des stärksten Lkw zu trotzen und den scharf gespitzten Bleistift auszupacken. Ist die Transportanforderung hingegen permanente Schwerlast, dann wird man mit dem FH16 750 umso größere Freude haben.

Verbrauchswerte und Durchschnittsgeschwindigkeit

Etappe km Verbrauch km/h
Etappe 1: Raststation Steinhäusl (A1) – Knoten Vösendorf 42 33,62 84,98
Etappe 2 53 28,91 84,42
Etappe 3 104 33,89 81,29
Etappe 4 133 24,90 83,75
Etappe 5: Knoten Voralpenkreuz – Raststation Steinhäusl 165 26,51 85,00
Gesamt 497 28,18 84,13
Bergwertung 24  69,04 81,90
Geschwindigkeitsmesspunkt Abfahrt Semmering: 63 km/h bei 1.400 U/min im 10. Gang      
AdBlue: Hinzu kommt ein AdBlue Verbrauch von 1,2 l/100 km      
Wetter: gute Testbedingungen; sehr warm; kaum Wind      
Temperatur: Start: 18° C, Mittag: 28° C, Ende: 31° C      
Verkehr: Behinderungen im Frühverkehr am Knoten Vösendorf, einige Mäharbeiten und eine Behinderung in einer Baustelle auf der A9, sonst flüssiger Verkehr      
Welch ein Auftritt – selbst im Stillstand an der Raststation spürt man die unbändige Kraft, die in diesem Volvo FH16 750 steckt
Bilder: WEKA/fe  

Volvo FH16 750 4x2 I-Shift Euro 6 - Technische Daten

Kabine: Volvo Globetrotter XL
Motor: Volvo D16K 750, Euro 6, AGR, SCR, 16.100 cm³, 470 kW/750 PS bei 1.600-1.800 U/min, 3.550 Nm ab 950 U/min
Getriebe: Volvo i-Shift ATO 3512E, 12+4 Gänge, Übersetzung 11,73 – 0,78
Achsübersetzung: i = 3,08
Reifen: 315/70 R 22,5 Michelin X-Line Energy
Bremsen: Scheibenbremsen rundum mit EBS und ESP, elektronische Parkbremse
Gewicht: 8.010 kg

fe