08.04.2015
Unimog

Darf ein Lkw auch Spaß machen?

Die Bezeichnung „Unimog“ wurde zum Synonym für eine gesamte Fahrzeuggattung, die – je nach Ausführung – als Geräteträger im Straßendienst oder in Wald, Acker und schwerem Gelände zum Einsatz kommt. Abseits der Straße ist der hochgeländegängige Unimog kaum zu stoppen.

Es ist kein Zufall, dass sich Mercedes-Benz für die praktische Vorführung des hochgeländegängigen Unimog das Gelände im deutschen Horstwalde ausgesucht hat. In den Pinienwäldern etwa 70 km südlich von Berlin stehen auf 1.200 Hektar über 30 km Offroad-Strecke zur Verfügung. Eine kilometerlange, weiche Sandpiste gefolgt von steinigen Waldwegen, extreme Steigungen und Gefälle inklusive, ist genau die Umgebung, wo sich dieses Lasttier zu Hause fühlt.
Der Unimog U 4023 / U 5023 ist so etwas wie das Urviech aller geländegängigen Trucks – sogenannte SUVs, die üblicherweise in den Zentren und Speckgürteln großer Ballungsräume auf Asphaltstraßen herumkutschiert werden, können dagegen schlicht einpacken: 231 PS Leistung klingt noch nicht berauschend, für ein Fahrzeug mit 10, 3 t (U 4023) oder sogar 14,5 t (U 5023) zulässiges Gesamtgewicht. Ganz anders sieht es beim Drehmoment aus: Satte 900 NM bringt die 5,1-Liter-Maschine auf die Straße und das über einen breiten Drehzahlbereich von 1.200 bis 1.600 U/min.

Der hochgeländegängige Unimog U 5023: der geschweißte Schubrohrrahmen und Schraubenfedern mit über 600 mm Federweg ermöglichen extreme Verwindungen
Bilder: Daimler  

Für die optimale Abstufung der Kraftübertragung sorgen 8 Vorwärts- und 6 Rückwärtsgänge. Mit optionaler Geländegruppe stehen sogar 16 Vorwärts- und 14 Rückwärtsgänge zur Verfügung. Damit klettert der Lastesel über Steigungen bis zu 100 % – also 45 ° – nach oben. Seitliche Neigungen bis zu 38 ° sind möglich, Wattfähigkeit ist für Wassertiefen bis 80 cm gegeben, optional erweiterbar auf 1,20 m. Die Portalachsen bieten eine halben Meter Bodenfreiheit, sodass auch größere Gesteinsbrocken kein ernstes Hindernis darstellen. Der geschweißte Schubrohr-Rahmen sorgt für extreme Verwindungsfähigkeit und ermöglicht hohe Federwege, wobei Vorder- und Hinterachse voneinander unabhängig ein- und ausfedern können. Der Reifendruck kann während der Fahrt geregelt werden.

Technische Neuerungen

Sechs Jahre dauerte es vom ersten Federstrich bis zur Serienreife des Unimog Euro VI im Juli 2014. Der 33jährige Maschinenbauer Jens Neblung wurde seinerzeit bei Mercedes für das Projekt eingestellt und ist als Entwicklungsingenieur für das Gesamtfahrzeug „Unimog-Hochgeländegängig Euro VI“ tätig. Die Aufgabe für die Ingenieure bestand darin, die speziellen Leistungsmerkmale des „alten“ Unimog Euro V auf den aktuellen Stand der Technik zu bringen. „Es war die Herausforderung, in den gesteckten Rahmenbedingungen – das perfekte Geländefahrzeug hatte man ja schon – noch die Technik der Euro VI-Abgasnorm unterzubringen“, erklärt Neblung.

Beliebige Aufbaumöglichkeiten: Der hochgeländegängige Unimog mit Kran-Bagger und Kipper oder als Feuerwehrfahrzeug
Bilder: Daimler  

Hier galt es einige Hindernisse zu überwinden, denn der neue Motor ist wesentlich größer und es galt, Platz für Abgasrückführung und Nachbehandlung sowie das größere Kühlerpaket zu schaffen. Gleichzeitig sollten aber die Abmessungen wie Radstand, Bodenfreiheit, Böschungs- und Rampenwinkel gleich bleiben. „Das ist uns gelungen“, sagt Neblung bescheiden. Denn einige Leistungsmerkmale konnten gegenüber dem Euro V-Fahrzeug sogar noch verbessert werden. So hat das neue Fahrzeug eine etwas höhere Nutzlast, der Motor wanderte um einen guten Meter nach hinten und auch weiter nach unten, wodurch sich die Schwerpunktlage des Unimog weiter verbesserte. Der Federweg an der Vorderachse wurde noch einmal erhöht. Darüber hinaus ist nun auch der motorseitige Nebenantrieb nutzbar. Dieser bietet gegenüber dem Nebenantrieb am Getriebe den großen Vorteil, dass die volle Leistung auch während der Unterbrechungen des Antriebsstrangs, beispielsweise zwischen den Schaltvorgängen, zur Verfügung steht.

Entwicklungsingenieur DI (FH) Jens Neblung vor dem Neuen Unimog U 4023 mit Doppelkabine
   

Das Getriebe lässt sich, wie schon vom Vorgänger gewohnt, automatisch Schalten oder von Hand bedienen. Neu ist, dass der Schalthebel seitlich am Lenkrad angebracht wurde, sodass auch während des Schaltvorgangs beide Hände am Steuer bleiben. Und zu guter Letzt bringt der neue Motor auch noch 90 NM Drehmoment und 13 PS mehr Leistung auf die Straße – ein Umstand, der allerdings nicht speziell dem Unimog sondern der Mercedes-Benz Motorenentwicklung allgemein geschuldet ist.

Unimog in Österreich

Der Exklusiv-Vertrieb für den Unimog läuft in Österreich über die Pappas-Gruppe, die jährlich etwa 80 bis 100 Fahrzeuge verkauft. Der Großteil davon sind sogenannte Geräteträger, der hochgeländegängige Unimog hat einen Anteil von etwa 10–15 %. Auch Gebrauchtfahrzeuge sind an den Standorten in Eugendorf bei Salzburg und Wiener Neudorf erhältlich.

Unimog Geräteträger U 423 mit Kehrmaschine oder Frontladerschaufel

   

Der hochgeländegängige Unimog kommt in erster Linie bei Feuerwehrverbänden und im Bereich Katastrophenschutz im Einsatz, aber auch bei Energieversorgen im Bereich der E-Wirtschaft zur Wartung von Strommasten im unwegsamen Gelände. Der Rest, also die Geräteträger, werden Großteils im kommunalen Bereich eingesetzt, insbesondere zur Straßenerhaltung, Reinigung, Waschen und Kehren, sowie bei der Schneeräumung, Mähen und Salzstreuen. Die größten Kunden diesbezüglich sind die ASFINAG, sowie Landesregierungen, Städte, Gemeinden, kommunale Dienstleister und Feuerwehren. „Aufgrund der Budgetknappheit im öffentlichen Sektor ist hier der Absatz aber merklich zurückgegangen“, sagt Gerhard Netbal, Marketingleiter Nutzfahrzeuge in der Pappas-Gruppe.
Wer den Unimog einmal Live erleben möchte, der hat dazu bei der Liebherr Roadshow von 8. bis 9. Mai im oberösterreichischen Vorchdorf oder von 29. Bis 30. Mai in Markgrafneusiedl in  Niederösterreich Gelegenheit.

Hier geht's zur Bildergalerie

lf