15.10.2013
Renault Trucks

Die Fernverkehrsbaureihe T im Fahrbericht

Vergessen Sie alles, was bisher war. Die technischen Herausforderungen von Euro 6 haben jetzt auch bei Renault Trucks die Einführung einer komplett neuen Fahrzeuggeneration zur Folge. Wir konnten bereits die Fernverkehrsmodelle in der Normandie testen.

Renault Trucks erneuert also mit der Umstellung auf die Euro 6-Norm auch seine Baureihe für den Fernverkehr. Es wäre weit hergeholt, hier von einem legitimen Nachfolger des umstrittenen aber definitiv legendären Magnum zu sprechen. Zu radikal anders ist das neue Fahrzeug.

Bei seiner neuen Baureihe für den Fernverkehr entschied sich Renault Trucks für eine Vereinheitlichung seines bislang wenig schlüssigen Fernverkehrsangebots aus Magnum und Premium. Mit dem T offerieren die Franzosen ab sofort ein einziges Fahrzeug, das aufgrund seines modularen Aufbaus sämtliche Anforderungen der Kunden im Fernverkehr erfüllt.

Geschärfter Blick

Damit aus der neuen Fernverkehrsbaureihe ein echtes Profit Center – der neue Leitspruch von Renault Trucks – wird, hat Renault sich schon bei der Konzeption des T Kraftstoffeinsparungen zum zentralen Anliegen gemacht. Das Styling, der Entwurf des Fahrerhauses und jede Komponente des Antriebsstrangs wurden speziell im Hinblick darauf ausgelegt.

Die erste Ausfahrt in der französischen Normandie hat die enorme Entwicklung aufgezeigt, die die neue Fernverkehrsbaureihe T von Renault Trucks durchgemacht hat. Der Unterschied zwischen Sleeper und High Sleeper Cab ist am einfachsten am fehlenden Dachspoiler und an der zusätzlichen Spange über dem Kühler beim großen Fahrerhaus zu erkennen

   

Die Windschutzscheibe hat jetzt eine Neigung von 12 Grad und das Fahrerhaus insgesamt ein trapezförmiges Design mit einer Breite von 2,35 m vorne und 2,50 m hinten – bahnt sich seinen Weg also wie ein Keil durch die Luft. Dies verbessert seinen Aerodynamikkoeffizienten um bis zu 12 %. Der T hat dadurch gegenüber der Vorgängergeneration einen um 5 % optimierten Kraftstoffverbrauch.

Hoher Komfort

Die ersten Tests in der Normandie haben gezeigt, dass man sich bei Renault sehr intensiv mit dem Fahrerarbeitsplatz auseinandergesetzt hat. Der Komfort ist sensationell, die Sitze vielleicht die besten auf dem Markt, und die übersichtlich angeordneten Bedienelemente befinden sich in unmittelbarer Reichweite. Einsteigen und losfahren lautet das Motto bei den neuen Renault Trucks.

Als wesentliches Kriterium für ein Fernverkehrsfahrzeug war natürlich der Fahrerkomfort ein Schlüsselfaktor bei der Entwicklung der neuen Baureihe. So wurde der Einstieg des Renault Trucks T besonders benutzerfreundlich ausgelegt. Es beginnt damit, dass die Scheinwerfer mit dem Schlüssel eingeschaltet werden können, um den Weg zum Fahrzeug zu beleuchten.

Kein Marketinggag, sondern die neue personalisierbare Plakette gefällt Barbara Legenstein, Marketing Renault Trucks Österreich, besonders gut

   

Der Türöffnungswinkel beträgt 85 Grad. Je nach gewähltem Fahrerhaustyp erfolgt der Einstieg über drei oder vier Trittstufen. Beim Sitzen kommt dem Fahrer der hohe Komfort der neuen, von Recaro im Auftrag von Renault Trucks entwickelten und hergestellten Sitze zugute. Sie besitzen eine Luftfederung, sind beheizt und belüftet und verfügen über verstellbare Kopf-, Seiten- sowie Lendenwirbelstützen. Der rote Sicherheitsgurt ist übrigens ab sofort das Markenzeichen aller neuen T von Renault Trucks.

Die für den Fahrer wichtigsten Funktionen wurden rund um das Lenkrad angeordnet. Über gut zugängliche Bedienungsräder lassen sich die Menüs des 7-Zoll-Farbbildschirms anzeigen. Damit kann man Telefon, Radio und den Geschwindigkeitsregler bedienen, ohne die Augen von der Straße zu nehmen. Darüber hinaus steht es dem Fahrer frei, das Cockpit an seine Gewohnheiten anzupassen, denn die Position der Schalter am Armaturenbrett lässt sich individuell anpassen.

Feiner Lebensraum

Als wichtiger Komfortgewinn für den Fahrer bei der Bewegungsfreiheit im Fahrerhaus wurde die Höhe des Motortunnels in den neuen Fahrerhausversionen um die Hälfte reduziert und beträgt jetzt 200 mm. Als würdiger Nachfolger des Magnum ist der Renault Trucks T zudem auch mit ebenem Fahrerhausboden lieferbar.

Zwei Dachversionen stehen zur Auswahl. Ein flaches Dach (Day Cab und Night&DayCab) und ein erhöhtes Dach (High Sleeper und SleeperCab) ermöglichen eine maximale Innenhöhe des Fahrerhauses von 2,10 m. Wobei das High Sleeper Cab nur mit dem DTI 13-Motor kombiniert werden kann und als einziges den ebenen Fahrerhausboden bietet.

Sensationell gelungen sind die neuen Sitze, die Recaro eigens für die neuen Renaults entwickelt hat

   

Beim Interieur des T stand die Trennung des Cockpits vom Ruhebereich im Vordergrund. Die untere Schlafliege wartet mit einer Matratze mit Ausziehfunktion auf, mit der die Liege auf 80 cm verbreitert werden kann. Die obere Schlafliege ist über eine eingebaute Leiter erreichbar. Wenn die obere Liege nicht benutzt wird, kann der Fahrer einen Teil davon zusammenklappen und erhält so mehr zusätzlichen Stauraum. Außerdem steht dem Fahrer ein Kühlschrank mit 24 Litern Fassungsvermögen zur Verfügung, der in der Version mit ebenem Fahrerhausboden bis zu 40 Liter groß sein kann.

Serienmäßig werden drei Assistenzsysteme angeboten. Beim Spurassistenten ertönt im Fall eines unbeabsichtigten Abweichens von der Fahrspur ein Warnsignal. Der adaptive Geschwindigkeitsregler hält einen Sicherheitsabstand zum Fahrzeug vor ihm, und das Auffahrwarnsystem warnt den Fahrer vor einer drohenden Frontalkollision.

Neuer Antrieb

Bei der Entwicklung der neuen Euro 6-Motoren DTI 11 und DTI 13 legte Renault Trucks seine Euro 5-Motorblöcke zugrunde und entschied sich für eine Optimierung der SCR-Technologie. Die für ihre Effizienz und ihren niedrigen Verbrauch bekannten Motoren wurden zu über 50 % überarbeitet und mit neuen Einstellungen bei der Motorsteuerung versehen.

Zudem erfuhr das SCR-System eine grundlegende Optimierung. Im oberen Leistungsbereich bietet Renault Trucks zwei verschiedene Motoren an: Die Euro 6-Motoren mit 11 und 13 Litern. Der 6-Zylinder DTI 11 ist in den drei Leistungsstufen 380 PS/1.800 Nm, 430 PS/2.050 Nm und 460 PS/2.200 Nm verfügbar. Die Einspritzung wird elektronisch über ein Common Rail-System gesteuert. Beim größeren DTI 13 6-Zylinder erfolgt die elektronisch gesteuerte Einspritzung weiterhin durch eine Pumpe-Düse-Einheit. Er bietet die Leistungsstufen 440 PS/2.200 Nm, 480 PS/2.400 Nm und 520 PS/2.550 Nm.

Erfahren konnten wir bislang den 13-Liter-Motor mit 520 PS im High Sleeper Cab mit ebenem Boden sowie den 11-Liter-Motor mit 460 PS im Sleeper Cab. Beide Aggregate zeichnen sich durch enorme Laufruhe und exzellenten Durchzug aus. Selbst in starken Steigungen auf Landstraßen ziehen beide bis rund 1.000 U/min kraftvoll durch und glänzen dann mit raschen Schaltvorgängen des Optidriver-Getriebes.

Schalten und Bremsen

Das Optidriver-Getriebe kommt beim Renault Trucks T weiterhin zum Einsatz. Das serienmäßig angebotene Getriebe verfügt über eine neue elektronische Getriebesteuerung sowie ein neues Schaltmanagement mit Temperaturregulierung für eine effizientere Kühlung. Auf Wunsch kann das Optidriver-Getriebe mit dem neuen Fuel Eco-Modus ausgerüstet werden, gekoppelt mit dem Geschwindigkeitsregler Eco Cruise Control. Dieser greift in die Schaltstrategie ein, wobei die Verbrauchsreduzierung hierbei absolute Priorität hat. Optional können Kunden das mechanische Schaltgetriebe B14 wählen, das eine Entwicklung des Volvo-Konzerns ist.

Im ersten Moment ungewohnt, aber dann logisch ist die Bedienung des Tempomaten mit der +/- Taste auf der Lenkradrückseite

   

Mit den Euro 6-Motoren werden außerdem drei Arten von Dauerbremsen angeboten. Zum einen ist das die Auspuffbremse, die eine Leistung von 203 kW beim DTI 11 und 227 kW beim DTI 13 entwickelt. Die nächste Stufe bildet die Motorbremse Optibrake beim DTI 11 mit einer Leistung von 303 kW und Optibrake+ beim DTI 13 mit einer Leistung von 414 kW. Optibrake-Motorbremsen sind in allen Fahrzeugen mit automatisiertem Getriebe verbaut. Und den feinsten Verzögerungs-Genuss bietet der hydraulische Retarder von Voith, dessen Bedienhebel jetzt rechts vom Lenkrad angeordnet ist. Er liefert eine Leistung von 450 kW beim DTI 11 und beim DTI 13.

Renault Trucks bietet eine neue, elektronisch geregelte Drucklufterzeugung. Sie wurde im Hinblick auf optimale Effizienz und Zuverlässigkeit entwickelt und steuert den Luftkompressor bedarfsgerecht. So wird bei Talfahrten die Motorbremsleistung durch Aktivieren des Luftkompressors erhöht. Umgekehrt wird in starken Motorbelastungsphasen der Kompressor ausgeschaltet. Außerdem bietet das System eine elektrische, automatische Feststellbremse bei Abstellen des Motors, eine sehr praktische Exklusivität des Volvo-Konzerns.

Die neue Baureihe für den Fernverkehr von Renault Trucks ist Teil der Rundumerneuerung der gesamten Produktpalette des Herstellers. Der Volvo-Konzern investierte zwei Milliarden Euro in dieses neue Fahrzeugangebot. Kein Wunder also, dass sich Renault Trucks mit seiner neuen Modellpalette ehrgeizige Ziele gesetzt hat. Die erste Ausfahrt verspricht jedenfalls großes Potenzial und wir freuen uns bereits auf die erste Ausfahrt auf unserer Österreich-Test-Runde.

www.renault-trucks.at

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